Lösungen gesucht
Aktuelle Forschung aus den Profillinien
Porträt von Ede Möser
Foto: Anna PerepechaiVon Photonik bis Entzündungsforschung: Wie JENAINNOVATION Forschende dabei unterstützt, ihre Ideen in konkrete Anwendungen und Ausgründungen zu bringen.
Text: Stephan Laudien
Jena als internationalen Hightech-Leuchtturm zu positionieren, dieses Ziel verfolgt das Innovations- und Transferzentrum JENAINNOVATION. Hinter der im Herbst 2025 gestarteten Initiative steht ein Konsortium, dem die Universität Jena, die Ernst-Abbe-Hochschule Jena und das Universitätsklinikum Jena angehören. Gemeinsam setzen sich die Partner dafür ein, dass aus exzellenter Forschung noch häufiger konkrete Anwendungen, Kooperationen und Ausgründungen entstehen.
Die Ausgangslage ist günstig: Jena verfügt über eine exzellente Forschungslandschaft, die eng mit einer international erfolgreichen Hightech-Industrie verzahnt ist. Doch zeigt sich ein Muster, das viele Forschungsstandorte kennen: Selbst hervorragende Ideen finden nicht immer den Weg aus dem Labor in die Praxis. Zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und ihrer Anwendung in Gesellschaft oder Wirtschaft liegen oft strukturelle Hürden: Förderprogramme greifen nicht ineinander, Zuständigkeiten und Übergänge sind nicht klar definiert oder es fehlen geeignete Schnittstellen, die den Transfer aus der Forschung in die Praxis erleichtern.
Wir bringen Spitzenforschung früh mit Anwendung zusammen.
Ede Möser
„Wir sehen viele exzellente Ideen und Technologien, aber ihnen fehlen zu oft noch die Strukturen, in denen sie wirklich wachsen können“, sagt Ede Möser, Leiter von JENAINNOVATION. Genau hier setzt JENAINNOVATION an. „Wir bauen durchgängige Innovationspfade auf, die Spitzenforschung früh mit Anwendung und Wirkung verbinden“, sagt Möser. „Transfer soll von Anfang an mitgedacht werden.“
Im Zentrum dieses Ansatzes stehen die „Innovation Scouts“. Sie arbeiten direkt in den wissenschaftlichen Themenfeldern, aus denen die vielversprechendsten Technologien in Jena hervorgehen: Photonik und medizinische Diagnostik, innovative Materialien und Ressourceneffizienz sowie Entzündungsforschung und Mikrobiomtechnologien, ergänzt durch Digitale Technologien und Künstliche Intelligenz als Querschnittsfeld. Die Scouts kommen selbst aus der Forschung und kennen daher die Dynamik wissenschaftlicher Arbeit. Sie sollen vielversprechende Ideen früh erkennen, gemeinsam mit Forschenden weiterentwickeln und Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft einbinden. Ob sich eine Idee durchsetzt, hänge oft von kleinen Impulsen oder gezielter Unter stützung im richtigen Moment ab, sagt Ede Möser.
Zu einer lebendigen Innovationskultur gehört es, Fehler machen zu dürfen.
Gabriel Dörner
Porträt von Gabriel Dörner
Foto: Anna Perepechai„Scouting allein reicht aber nicht aus“, sagt Gabriel Dörner, Kommunikations- und Eventmanager von JENAINNOVATION. Die Scouts arbeiten eng mit Partnern im Innovationsökosystem zusammen. „Es ist ein wenig wie ein Bienenschwarm: Ideen werden entdeckt, gemeinsam weiterentwickelt und in unterschiedliche Richtungen getragen.“ Um die Entwicklung zu unterstützen, stellt JENAINNOVATION verschiedene Förderinstrumente bereit: Über „Innovation Tickets“ gibt es unkompliziert Fördermittel für frühe Erkundungen, Prototypen oder erste Gründungsschritte. Ergänzt wird das durch Formate, in denen Forschende und potenzielle Gründerinnen und Gründer gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft neue Lösungsansätze entwickeln. Auch der Zugang zu institutionsübergreifender Forschungsinfrastruktur spielt dabei eine wichtige Rolle.
Insgesamt versteht sich die Initiative als Wegweiser und Lotse, der die komplementären Stärken der beteiligten Institutionen sichtbar macht und Orientierung im Innovationsökosystem bietet. Es gehe nicht um einen kurzfristigen Anschub, sondern um den Aufbau nachhaltiger Strukturen. Die Förderung durch die Carl-Zeiss-Stiftung schafft in den kommenden Jahren einen wichtigen Rahmen, langfristig soll JENAINNOVATION als dauerhaftes Transferzentrum etabliert werden.
Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse noch systematischer in marktfähige Technologien, neue Unternehmen und gesellschaftliche Lösungen zu übersetzen, fasst es Ede Möser zusammen. Dafür bedarf es neuer Räume und einer Kultur der Zusammenarbeit und des Experimentierens.