Demokratiebildung in der Schule
In der Gesellschaft – für die Gesellschaft
... Prof. Dr. Thomas Kessler, Antisemitismusbeauftragter der Uni Jena
Porträt des Antidiskriminierungsbeauftragten der Uni Jena, Prof. Dr. Thomas Kessler
Foto: Nicole Nerger (Universität Jena)
Direkte antisemitische Beleidigungen oder Diskriminierungen sind mir bislang nicht gemeldet worden. Häufiger begegnen wir einem »Antisemitismus ohne Juden«: Kritik an Israel wird so formuliert, dass antisemitische Muster erkennbar werden. Auch Veranstaltungen können solche Züge tragen. Gleichzeitig engagiert sich die Universität mit Workshops und Dialogformaten dafür, über jüdisches Leben und Israel zu informieren und Antisemitismus entgegenzuwirken.
Eine klare Grenze zu ziehen ist schwierig – daran arbeiten Antisemitismusforscher seit Langem. Klar ist jedoch: Präzise Kritik an der israelischen Regierung oder an einzelnen politischen Entscheidungen ist legitim. Problematisch wird es, wenn antisemitische Stereotype ins Spiel kommen, etwa wenn Israel pauschal als »Kindermörderstaat« bezeichnet wird. Auch doppelte Standards können ein Hinweis sein – wenn Israel Dinge vorgeworfen werden, die bei anderen Akteuren hingenommen werden.
Vor allem Information und Aufmerksamkeit. Viele Debatten sind von Halbwissen geprägt. So wird etwa oft behauptet, Israelis seien europäische Siedler – tatsächlich stammt mehr als die Hälfte der israelischen Juden aus dem Mittleren Osten, Nordafrika oder etwa Persien, Indien und Äthiopien. Kontroverse Themen müssen
diskutiert werden, aber auf Grundlage von Fakten. Ebenso wichtig ist Zivilcourage: Wer antisemitische Äußerungen oder Vorfälle beobachtet, sollte sie ansprechen oder melden. Das gilt grundsätzlich für alle Formen von Diskriminierung.