Demokratiebildung in der Schule
In der Gesellschaft – für die Gesellschaft
Lehramtsstudent Philipp Jentsch am Strand von Rio de Janeiro
Foto: privatText: Irena Walinda
Studierende im fünften oder sechsten Semester tauchen im Rahmen des Jenaer Modells für mehrere Monate in den Schulalltag ein – auf Wunsch auch an einer der rund 140 deutschen Auslandsschulen weltweit. Etwa zehn Prozent der Studierenden entscheiden sich, für ihr Praxissemester ins Ausland zu gehen.
Sarah Riedel absolvierte ihr Praxissemester von Februar bis Juni 2025 an der Deutschen Schule im spanischen Valencia. Es war ihr sechstes Fachsemester und ein Sommersemester – eine Konstellation, die einige organisatorische Herausforderungen mit sich brachte, da ihr Praktikum begann, während das Studiensemester noch lief. »Doch durch gute Organisation, vorausschauende Planung und Absprachen mit den Profs lassen sich die meisten Herausforderungen gut lösen«, berichtet die heute 22-Jährige, die Geschichte und Deutsch auf Lehramt studiert.
Rückblickend schaut sie mit großer Dankbarkeit auf ihre Zeit im Ausland. »Valencia ist eine faszinierende Stadt mit einer hohen Lebensqualität – ich wäre gern noch länger geblieben.« Besonders bereichernd empfand sie an der Schule den Austausch mit anderen Lehramtsstudierenden, die aus ganz Deutschland nach Valencia gekommen waren.
Viele Schulen im Ausland sind Ganztagsschulen. Das eröffnet Räume jenseits des Unterrichts.
Sarah Riedel
So wie auch ihre Schule, sind viele Schulen im Ausland als Ganztagsschulen organisiert. Nicht nur Grundschulkinder, auch viele Jugendliche verbringen ihre Nachmittage auf dem Schulgelände und nehmen dort an Arbeitsgemeinschaften, Zusatzangeboten oder Freizeitaktivitäten teil. Für Sarah eröffnete dieses Konzept zusätzliche Räume jenseits des Unterrichts.
Für ein Praxissemester in Europa erhalten Studierende in der Regel ein Erasmus-Stipendium von monatlich 750 Euro. Wer an eine Schule außerhalb Europas geht, kann sich um ein DAAD-Stipendium von rund 1.000 Euro monatlich bewerben, meist ergänzt durch Reise- und Versicherungskosten. »An der Universität Jena erhält mehr als die Hälfte der sich bewerbenden Personen diese Förderung«, sagt Britta Möbius vom Zentrum
für Lehrerbildung und Bildungsforschung.
Für den 23-jährigen Philipp Jentsch stand schnell fest: Wenn schon Praxissemester, dann möglichst »exotisch«. Der Lehramtsstudent, der später Geografie und Sport unterrichten möchte, verbrachte sein Praxissemester im Wintersemester 2023/24 in Rio de Janeiro, ebenfalls an einer Partnerschule der Uni Jena. Auf der Suche nach einer passenden Schule informierte er sich unter anderem über das PASCH-Netzwerk des Auswärtigen Amtes sowie über die Webseiten der Universität Jena. Die Partnerschulen der Uni halten für Studierende aus Jena ein bestimmtes Kontingent an Plätzen bereit. Rund 30 Bewerbungen verschickte er und erhielt mehrere Zusagen – darunter auch aus Rio.
Wie Sarah besuchte er vor seinem Auslandsaufenthalt Sprachkurse an der Universität. Zwar wird an den deutschen Auslandsschulen überwiegend auf Deutsch unterrichtet, doch grundlegende Kenntnisse der Landessprache erleichtern den Alltag. Gleichzeitig haben viele Schülerinnen und Schüler einen bilingualen Hintergrund: Häufig spricht mindestens ein Elternteil Deutsch, oder beide Eltern sind deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die im Ausland leben und arbeiten, berichtet Philipp. Für angehende Lehrkräfte bedeutet das, mit einer sprachlich und kulturell vielfältigen Schülerschaft zu arbeiten.
Neben der Schulerfahrung wird mir der Besuch des Maracanã-Fußballstadions in Erinnerung bleiben.
Philipp Jentsch
Die Zeit im Ausland hat Philipp persönlich stark geprägt. »Meine Highlights waren ein Besuch im legendären Maracanã-Stadion, wo Deutschland 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft gewann, und ein Sonnenaufgang auf den Dois Irmãos – das wird mir immer in Erinnerung bleiben.«